The Times They Are A Changin‘ (finally)

Damals im Sommer – also vor 10 Tagen – haben wir uns als Familie einen Tag lang Spass gegönnt. Es war der letzte Ferientag und wir sind in einen Erlebnispark gefahren. Das Wetter war grossartig, Palmen sorgten für Urlaubsstimmung, der Geruch von Grillwürstchen lag in der Luft.
Gleich nach der Wasserruchtsche, direkt neben den Hüpfburgen, bekam ich den Anruf. „Wir haben uns für Sie entschieden.“
Plötzlich war es nicht nur die Hitze, die meinen Kreislauf zum Wackeln brachte. Riesige Freude, Eleichterung und auch grosse Angst prallten auf aufeinander. Eine jahrelange Anspannung fiel von mir ab. Das scheinbar Unmögliche war Wirklichkeit geworden.

Nach nur wenigen Minuten bekam ich ein schlechtes Gewissen dem kleinen Kind gegenüber.
Nachdem mir jahrelang der Grosse leid getan hatte, weil er meinen erstmütterlichen Dilettantschaften und Unerfahrungsfehlern ausgesetzt gewesen war, bedauerte ich nun seine kleine Schwester, die nun zumindest im ersten Kindergartenjahr ohne meine Begleitung würde auskommen müssen. Kein Laternenbasteln oder Adventsfenster, kein Karneval oder Backen, vom täglichen Abholen ganz zu schweigen.

Aber gleichzeitig wurde mir klar, dass ich viel zu glücklich bin über diese Chance! Dass ich mich viel zu sehr auf diese Herausforderung freue.
Und da gibt es so Vieles, auf das ich mich freue:

  • wieder kreativ sein zu dürfen
  • meiner gelernten, studierten Leidenschaft nicht nur gegen Langeweile, sondern ernsthaft nachgehen können
  • wieder regelmässig unter Menschen zu kommen und mit denen ernsthafte Diskussionen zu führen
  • Gedanken und Gespräche, die nicht nach spätestens 2 min von einem „Mamaaa!“ unterbrochen werden
  • keine Angst mehr vor dem Blick auf meinen Kontostand haben
  • meiner Tochter (endlich!) mal neue Klamotten kaufen, damit sie nicht nur geschenkte oder weitergereichte Kleidung hat
  • mir neue Kleidung kaufen
  • Brot nur dann selbst zu backen, wenn ich das WILL
  • kaputte Haushaltsgegenstände ersetzen, wenn sie kaputt gehen
  • auch mal Essen bestellen, wenn ich keine Lust aufs Kochen habe
  • Obst, Gemüse und Fleisch nicht nur im Angebot kaufen
  • die Preise für regelmässig gebrauchte Produkte nicht zu kennen und immer das billigste zu nehmen
  • keine Beklemmungen zu kriegen, weil sich der Kühlschrank oder die Waschmaschine komisch anhören
  • keine Bauchschmerzen zu kriegen, wenn Butter- oder Milchpreise steigen
  • mein Auto voll zu tanken
  • einfach mal einen auszugeben, grosszügig zu sein – wie ich das eigentlich kenne

Ich freue mich auf all das, was ich in den letzten vier Jahren so schmerzlich vermisst habe – zumindest für eine Weile.
Hoffentlich denke ich an diese Liste, wenn ich mich frage, warum ich mir den Stress antue. Darum.

Advertisements
Veröffentlicht unter Mutterzeugs | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Mein Kind isst kein Gemüse.

Wenn ich diesen Satz anderen Eltern sage, bekomme ich meistens ein „Das kennen wir.“ zur Antwort, direkt gefolgt von „xy isst auch kein {irgendeine Kohlsorte}“ oder „zur Zeit gehen grüne Oliven* überhaupt nicht“.
Dann nicke ich meist und denke „Jaaa…, das war nicht, was ich meine.“

Denn ich meine GEMÜSE. Generell. Immer.

Rohes Gemüse ist ganz raus und damit jeder Salat, Burger oder auch nur eine Rohkostplatte. Tatsächlich war es für mich nach den Erfahrungen mit dem Grossen ein völlig abwegiger Gedanke, dass Kinder Rohkost essen. Beim ersten Gemüsekrokodil, das mir zu einem Geburtstag begegnete, dachte ich: „Warum muss man so gemein sein – das Kind hat doch Geburtstag?!?“ Bis mir aufging, dass mir nicht prinzipienreiteriche Eltern über den Weg liefen, sondern gemüseessende Kinder.

Gekochtes Gemüse hat immerhin eine Ausnahme: TK-Rahmspinat. Eigentlich waren da noch Möhren und Mais, aber letztendlich ist es so sehr von Launen, Bewölkungsgrad oder vielleicht auch der Mondphase abhängig, dass ich mich auch wieder davon verabschiedet habe.
Ich habe alles versucht, was gemeinhin so empfohlen wird um Kinder zum Gemüseessen zu bringen: pürieren (klappte im Kindergarten, hier nicht), mit dem Kind einkaufen, zusammen kochen… und ja, der Grosse schnippelt gern Champignons & Co. Aber er isst sie nicht! Er isst nicht mal, was er selbst gesät und geerntet hat.
Aus jedem Eintopf, jedem Frikassee werden jede Erbse und selbst das kleinste Möhrenfitzelchen gesucht. Und es liegt ganz bestimmt nicht am fehlenden Vorbild. Oder Erklärungen. Die Lebensmittelpyramide hat der Grosse stolz in den Kindergarten getragen.
Aber – mein Kind isst kein Gemüse.

Natürlich endet hier nicht die Liste der verabscheuten Lebensmittel. Darauf stehen alle Produkte, die Gemüse enthalten, wie vegetarische Aufstriche und Gemüseburger. Meeresfrüchte gehen nicht, Vollkornbrot, Kräuter sind schwierig (und damit alle Saucen, Dressings und teilweise sogar der Kräuterfrischkäse, den ich seit 5 Jahren kaufe), Kartoffelsalat und selbst der gemüsefreie Nudelsalat wird abgelehnt. Ach, Obst ist logischerweise auch problematisch. Neben geschältem Apfel und Banane geht nur Obstpüree. Womit dann auch alle Obstkuchen u.ä. raus sind. Vieles vergesse ich wahrscheinlich, weil ich mich daran gewöhnt habe.

Warum ich das hier aufschreibe? Weil es einfach mal in allerDeutlichkeit raus muss.
Denn dieser Tanz ums Essen ist anstrengend. Und frustrierend, denn was immer ich koche – „Das mag ich nicht!“ oder ewiges Herumgepuhle ist so gut wie unausweichlich.
Ich fühlte mich lange verantwortlich, weil ich vielleicht etwas falsch gemacht habe – damals, als das mit der Beikost anfing und hadere noch immer, dass ich BLW nicht kannte.
Als die erfahrene Erzieherin nach 3 Jahre Kindergarten und viel Optimismus sagte, sie sei mit ihrem Latein am Ende, war ich fast glücklich. Nicht nur ich scheiterte!
Zu guter Letzt beeinflusst es natürlich die gesamte Familie. Salat, Aufläufe oder so etwas wie Linsensuppe kann ich nur machen, wenn ich ausserdem eine gemüsefreie Variante habe.

Besonders anstrengend sind Reisen. Meist bleiben Chicken Nuggets und Pommes, nur selten passt auch mal noch ein Nudelgericht.
Für die letzte längere Fahrt hatte ich deshalb grosszügig Proviant eingepackt: kalte Nudeln, belegte Brote, Eier, Würstchen, Gurkensalat (okay, der war für mich), Weintrauben, Minibifis und Kekse. Das Kind ass: Kekse. Und das Eiweiss von 2 Eiern. Alles andere war – aus welchem Grund nun auch immer – nicht genehm. Und dann stand spät abends im Hotel der Grosse vor mir und hatte Hunger…
Ja, ich war sauer. Und frustriert. Und müde.
Es folgte eine Woche mit Chicken Nuggets, Pommes und einem Nudelgericht.
Nur wenige Tage später las ich einen Artikel darüber, dass Kindergerichte krank und dumm machen…

Ich überlege ständig, wie ich mein Kind ausgewogen ernähren kann. Diese Reise hat mir nun leider einen Ausblick darauf gegeben wie es ab jetzt ohne das gemeinsame Essen im Kindergarten sein wird. Denn auch wenn ich weiss, dass es immer nur stecknadelgrosse Stücke waren, so hat der Gruppendruck dafür gesorgt, dass gelegentlich dann doch etwas Blumenkohl oder Brokkoli im Kind landete. Das bleibt zu Hause aus.
Das kleine Kind, ein gute Gemüseesserin, funktioniert leider auch nicht als Vorbild. Eher lehnt sie Essen ab, weil der grosse Bruder es auch so macht. -.-

So. Nun habe ich mir das alles mal von der Seele geschrieben.
Ich werde weiterhin kochen, wie es das schon immer tue, und hoffen, dass genügend Vitamine am Fleisch hängen bleiben. Und ich werde weiterhin freundlich nicken, wenn Menschen in meiner Umgebung nach einer oder mehreren Mahlzeiten festestellen: „Das ist ja wirklich ganz schön schwierig.“

*vielleicht überspitze ich hier leicht

Veröffentlicht unter Kinderkram, Mutterzeugs | Verschlagwortet mit , , , , | 4 Kommentare

Kindergarten

 

 

 

 

 

 

Vier Jahre liegen zwischen diesen Bildern. Der Blogpost zum 1. Kindergartentag des Grossen hat es nie aus den Entwürfen herausgeschafft.

Nun ist das kleine Kind schon so gross… *seufz*
Wehmut macht sich breit.

Veröffentlicht unter Kinderkram, Momente | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Eine kühle Tasche bewahren

Neulich auf Twitter:

Weil ich gefragt wurde, wie das funktioniert, will ich das hier mit ein paar Bildern zeigen.

Alles beginnt mit dieser stabilen wie formschönen Tragetasche.
In die Tasche packe ich alles, was gekühlt werden muss und nicht ein paar Stunden im Auto überstehen kann. Solltet ihr also Konserven, Nudeln, Reis etc. vermissen – die liegen noch im Kofferraum.

 

 

 

Zum Stabilisieren kommen unten ein paar Sachen rein, die schön rechteckig sind und ihre Form nicht verlieren. In diesem Fall sind das Griess, passierte Tomaten und Apfelmus.
Manchmal sind es Haferflocken oder Margarine oder…
Ebenfalls in die Bodenschicht kommen dann alle Kühlprodukte: Fleisch, Wurst, Käse, Joghurt, Sahne, Butter, Hefe…

Das alles packe ich so kompakt wie nur irgend möglich. Die Zwischenräume fülle ich mit dem Kleinkram wie Salatsossen, Tütensuppen etc. Und direkt darauf kommen die Tiefkühlprodukte, die nach Möglichkeit alles bedecken.

 

 

 

 

 

 

 

Ich mache das nach ganz schlichter Hausfrauenphysik: kalte Luft sinkt nach unten. Und dadurch kühlen die Tiefkühlsachen die Kühlprodukte mit. (Ich packe auch Kühltaschen, indem ich unten Lebensmittel oder Getränke habe und oben drauf die Kühlakkus.)
Die oberste Schicht bilden dann Obst und Gemüse, Chips, Schokolade und andere leichte Sachen, die ich ungern zerdrückt sehe. Die bilden die Barriere zur warmen Aussenluft.
Das Ganze ist tatsächlich einigermassen stabil und es reicht, diese eine Tasche in die Küche zu tragen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Gedanken zur letzten Ruhe

Die Ereignisse der letzten 2 Wochen haben viele Gedanken, viele Überlegungen ausgelöst.
Eine davon war: Wo würde ich mich beerdigen lassen?

Es könnte ganz einfach sein. Der Friedhof ist gleich um die Ecke, wir kommen jeden Tag vorbei. Es wäre also eine Ruhestätte in der Nähe, der Gatte und die Kinder könnten jederzeit besuchen.
Aber dann – ich fühle mich hier nicht zuhause. Das ist nicht meine Heimat. Ich mag die Stadt nicht. Und ich habe gelernt, dass die Friedhofsgebühren weit über denen der benachbarten Gemeinde liegen. (Weswegen wegen sich viele dort beerdigen lassen.)

Könnte ich meinen Angehörigen eine so grosse finanzielle Last aufbürden? Würde ich das, würden sie das wollen?
Ausserdem – denke ich mal positiv – rechne ich nicht mit einem baldige Abbleben. Was aber ist in 10, 15, vielleicht 20 oder mehr Jahren? Wer weiss, wohin es meine Kinder verschlägt. Es ist ohne weiteres möglich, dass sie mehrere hundert Kilometer weit weg ziehen. Wie ich es getan habe. Oder in ein anderes Land.
Dann spielte die Nähe des Friedhofes keine Rolle.
Aber wohin dann?

In meiner alten Heimat habe ich zwar geheiratet, aber nun sind die letzten Verwandten dort 85 und 93 Jahre alt. Das ist also auch keine Option.
Ich weiss es nicht.
Vielleicht sollte ich diese Frage meinen Angehörigen überlassen. Denn sie wissen im Falle meines Todes ja um ihre eigenen Umstände. Und die erscheinen mir fast wichtiger als meine Wünsche.

Es bleiben die Gedanken. Was für merkwürdige Blüten die Geschehnisse doch manchmal treiben lassen…

Veröffentlicht unter Mutterzeugs | Verschlagwortet mit , , | 4 Kommentare

Grenzen

Grenzen

Bild | Veröffentlicht am von | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Neuanfang

Ein Kind schreit. Das andere kreischt.
Sie brüllen sich an; das eine hat, was das andere will.
„Gib deiner Schwester das zurück! Frag, wenn du es haben möchtest. Teilst du bitte?!“
Was wollte ich grad machen?
Das Kreischen wird lauter, es wird zum Heulen.
Ein Kind liegt auf dem Boden und wütet, das andere will auf den Arm.
Ich will weg.

Die Kinder rennen schreiend durch die Wohnung – Flur, Küche, Wohnzimmer und zurück. Immer wieder. Stossen gegen einander, lachen, rufen. Es trampelt ohne Unterbrechung um mich herum.
„Passt auf, dass ihr nicht ausrutscht!“, versuche ich zu bremsen und weiss genau, dass mir keiner zuhört.
Es poltert. Ein Kind ist ausgerutscht und auf das andere gefallen. Beiden brüllen. Ich suche Kühlpacks und tröste, halbherzig und genervt.

„Zieh dich bitte um!“ Ein Kind trommelt mit Händen und Füssen auf den Boden, weil die Schlafanzughose verdreht ist. Das andere tritt kreischend um sich, weil es keine neue Windel will.

Gefühlte 90% der Kinderkommunikation sind Genörgel, Geschrei, Gebrüll, Kampf.
Meine Nerven liegen blank, sie sind wund. Jedes Kreischen lässt mich zusammenzucken, es fühlt sich an wie ein Angriff. Ich möchte mir die Ohren zuhalten und weglaufen. Nichts mehr hören, endlich Ruhe.

Die Auszeiten unter der Dusche werden länger. Damit erschleiche ich mir ein wenig Zeit, in der kein Kind nach mir heult, mich anschreit. Aber das reicht nicht.
Ich brauche eine Pause, eine richtige Pause.

Zeit, in der sich meine Nerven erholen können, in der ich mich erholen kann. Schlafen kann. Gedanken zu Ende denken kann.
Ich möchte meine Kinder vermissen. Ich möchte mich auf meine Kinder freuen. Ihnen mit Empathie begegnen, statt genervt zu denken „Hätteste mal gehört…“, wenn sie sich weh tun. Geduld haben.
Ich möchte nicht bitter an alle Streitereien denken, wenn meine Kinder zum 200. Mal „Mama!“ rufen. Ich möchte diesen ganzen Ballast hinter mir lassen. Von vorn beginnen.
Einen Neuanfang.

 

Veröffentlicht unter Kinderkram, Mutterzeugs | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen