Neuanfang

Ein Kind schreit. Das andere kreischt.
Sie brüllen sich an; das eine hat, was das andere will.
„Gib deiner Schwester das zurück! Frag, wenn du es haben möchtest. Teilst du bitte?!“
Was wollte ich grad machen?
Das Kreischen wird lauter, es wird zum Heulen.
Ein Kind liegt auf dem Boden und wütet, das andere will auf den Arm.
Ich will weg.

Die Kinder rennen schreiend durch die Wohnung – Flur, Küche, Wohnzimmer und zurück. Immer wieder. Stossen gegen einander, lachen, rufen. Es trampelt ohne Unterbrechung um mich herum.
„Passt auf, dass ihr nicht ausrutscht!“, versuche ich zu bremsen und weiss genau, dass mir keiner zuhört.
Es poltert. Ein Kind ist ausgerutscht und auf das andere gefallen. Beiden brüllen. Ich suche Kühlpacks und tröste, halbherzig und genervt.

„Zieh dich bitte um!“ Ein Kind trommelt mit Händen und Füssen auf den Boden, weil die Schlafanzughose verdreht ist. Das andere tritt kreischend um sich, weil es keine neue Windel will.

Gefühlte 90% der Kinderkommunikation sind Genörgel, Geschrei, Gebrüll, Kampf.
Meine Nerven liegen blank, sie sind wund. Jedes Kreischen lässt mich zusammenzucken, es fühlt sich an wie ein Angriff. Ich möchte mir die Ohren zuhalten und weglaufen. Nichts mehr hören, endlich Ruhe.

Die Auszeiten unter der Dusche werden länger. Damit erschleiche ich mir ein wenig Zeit, in der kein Kind nach mir heult, mich anschreit. Aber das reicht nicht.
Ich brauche eine Pause, eine richtige Pause.

Zeit, in der sich meine Nerven erholen können, in der ich mich erholen kann. Schlafen kann. Gedanken zu Ende denken kann.
Ich möchte meine Kinder vermissen. Ich möchte mich auf meine Kinder freuen. Ihnen mit Empathie begegnen, statt genervt zu denken „Hätteste mal gehört…“, wenn sie sich weh tun. Geduld haben.
Ich möchte nicht bitter an alle Streitereien denken, wenn meine Kinder zum 200. Mal „Mama!“ rufen. Ich möchte diesen ganzen Ballast hinter mir lassen. Von vorn beginnen.
Einen Neuanfang.

 

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2016 zusammengefasst

Der Club der Hobbyzyniker findet, dass ich zu zynisch bin…

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

4. Mutig geschätzt.

2. Zugenommen oder abgenommen?

Sehr wahrscheinlich zugenommen. Auf ner Waage habe ich aber seit Ewigkeiten nicht mehr gestanden.

3. Haare länger oder kürzer?

Länger. Ich habe sie nicht schneiden lassen.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Der Satz von 2012, 2013, 2014 und 2015 gilt immer noch: Das weiss ich nicht, aber ich brauch ne Brille…

5. Mehr Kohle oder weniger?

Ich hätte nicht gedacht, dass es möglich ist, aber es ist NOCH weniger als letztes Jahr.

6. Besseren Job oder schlechteren?

Den beschissensten der Welt – kein Lohn, kein Dank und ich hasse ihn.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?

Gemessen woran? Als ich habe, als ich hätte dürfen, als ich unbedingt muss…?

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn ja, was?

Dieses Jahr könnte ich wieder die Erfahrungskarte spielen… Oh Moment, eine Freundin. Glaube ich.

9. Mehr bewegt oder weniger?

Weniger. Ich mag aber auch nicht.

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?

Unzähliger Kleinkram.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?

Bei näherer Betrachtung war die schlimmste die, die mich schon lange begleitet und die ich noch immer nicht als Erkrankung empfinde…
Ansonsten waren die Platzwunde und der Zungenbiss beim Mädchen schon kleine Highlights.

12. Der hirnrissigste Plan?

Mal wieder mit den Kindern alleine auf eine norddeutsche Insel zu reisen.

13. Die gefährlichste hirnrissigste Unternehmung?

Zu hoffen.

14. Die teuerste Anschaffung?

Ein Auto.

15. Das leckerste Essen?

Ich kann nicht nur eins nennen; das wäre unfair den anderen Essen gegenüber.

16. Das beeindruckendste Buch?

Ich kann keine Bücher mehr lesen.

17. Der ergreifendste Film?

Hab hauptsächlich Serien geguckt.

18. Die beste CD?

Meine Weihnachts-CDs – seit Jahren bewährt.

19. Das schönste Konzert?


20. Die meiste Zeit verbracht mit?

Mir. Ich könnte mir nettere Menschen vorstellen.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?

Der Familie.

22. 2016 zum ersten Mal getan?

Mit dem Gatten und den Kindern am Strand und im Freibad gewesen.

23. 2016 nach langer Zeit wieder getan?

Ein Auto erworben. Und mich von einem verabschiedet.

24. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

  • den schwarzen Hund
  • das Gefühl überflüssig zu sein
  • Träume ziehen lassen zu müssen

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden mich überzeugen wollte?

Dass ich doch noch gebraucht werde.

26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Das müsste ich jemanden fragen. Vielleicht die hier?
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27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Ein Urlaub. Und eine Geburtstagstorte!

28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Bleib liegen.

29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich schöne Sätze gesagt habe. Egal zu wem.

30. Dein Wort des Jahres?

Zukunft

31. Dein Unwort des Jahres?

Trump

32. Deine Liebglingsblogs des Jahres?

Die, die mir Twitter in die Timeline spült. :)

33. Zum Vergleich: Verlinke Dein Stöckchem vom vorigen Jahr!

2011, 2012, 2013, 2014, 2015

Den ganz persönlichen Blick auf 2016 gibts hier…

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Another Year Over

oder Hurra, ich lebe noch

Das Jahr ist zu Ende. Ich schaue zurück. Zwangsläufig stellen sich die Gedanken ein – „War das Jahr ein erfolgreiches; was habe ich geschafft?“
Und ebenso zwangsläufig stelle ich fest, dasss ich mein grösstes, mein wichtigstes Ziel nicht erreicht habe.

Ich habe immer noch keinen Job. Seit 3 Jahren suche und verzweifle ich.

Ich hab auch sonst nicht wirklich etwas zustande gebracht: ich habe keine neue Sprache gelernt – und auch alte Kenntnisse nicht aufgefrischt -, ich habe kaum Freunde getroffen, wenig gebacken, selten gebloggt, kaum gelesen, nicht gestrickt; ich habe nicht die Wohnung ausgemistet, wie ich es seit ebenfalls 3 Jahren tun möchte… ich habe nichts geschafft.
Nichts, wovor ich am Ende des Jahres stehen und sagen kann: Schaut her!

Ich habe den Alltag gemanagt, oft nur knapp, habe gewaschen, gekocht, geputzt, die Kinder gehütet. Ich habe funktioniert.

Bei genauer Betrachtung ist es allerdings nicht selbstverständlich, dass ich das jetzt schreibe. Es gab Momente in diesem Jahr, in denen es mir undenkbar schien, auch nur einen Tag weiterzumachen.

Der grosse schwarze Hund begleitet mich schon lange. Er folgt mir, mal etwas näher, mal mit Entfernung. In diesem Jahr kam er mir nicht nur nahe, er sprang mich an. Brachte mich aus dem Gleichgewicht, warf mich zu Boden.
Jede Bewegung, jeder Gedanke wurde zur Qual. Die Zukunft schien nicht einfach schwarz – sie schien nicht existent.

Ich hatte Glück. Als ich es am meisten brauchte, war da ein Mensch, der mich in den Arm nahm. Und zuhörte. Nicht drängte, nicht urteilte.
Ich konnte mich freireden.

Irgendwann später konnte ich ein paar Ängste Ängste sein lassen. Konnte denken, dass es bis jetzt funktioniert hatte und es hoffentlich weiter funktionieren kann. Verbot mir die Panik.
Ich hörte auf so zu tun als ob. Ich reduzierte alles auf das Nötigste, schob die „aber du müsstest noch“s und die „du solltest aber“s beiseite. Ich setzte die Jobsuche aus.
Natürlich erklärte ich mich nicht, ich erklärte den halbfremden Menschen um mich herum nicht, warum ich dies und jenes nicht machte. Ich entzog mich einfach. Manchmal bemühte ich eine halbherzige Ausrede, aber meist konzentrierte ich mich mit Tunnelblick aufs weitermachen. Immer weiter.

Und irgendwann konnte ich wieder etwas Zukunft sehen. Nicht mehr dieses abgehackte Schwarz, auf das ich hilflos zusteuerte – es wurde eher Nebel, in dem sich Schemen erahnen liessen.

Ich kann froh sein, dass ich hier bin und jetzt auf dieses Jahr zurückblicken kann. Nur – was bringt die Zukunft?
Ich träumte kurz, aber intensiv von einem weiteren Kind. Nun, der Traum ist ausgeträumt. Pläne wage ich nicht zu machen. Pläne würden bedeuten, dass ich Einfluss nehmen kann. Das sehe ich nicht.
Stattdessen setzt sich immer wieder eine gruselige Zukunftsvision auf unsere Couch, ein fettes, höhnisch lachendes Wesen, das mir zuraunt: Hier wirst du jetzt die nächsten 10, 20 Jahre verbringen! Wartest, dass die Zeit vergeht…

Das macht mir Angst. Aber nur manchmal.

 

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Shattered

Das Selbstbewusstsein in Scherben.
Zersplittert.

Aufkehren. Die Scherben auflesen, kleben.

Die Risse bleiben sichtbar. Ein paar Stücke fehlen.

Immer wieder.
Irgendwann ist nur noch Staub.

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Warten auf Erleuchtung

„Siehst du die anderen Fahrzeuge gut?“ „Ja.“
Ich sass im Fahrschulauto bei einer der vorgeschriebenen Überlandfahrten. Sie führte durch einen Wald, es war ein herbstlicher Morgen.
„Warum siehst du sie?“ „Weil sie Licht anhaben…?!“ Was für eine Frage!
„Hast du Licht an?“ „… …“

Es war eine einfache, aber wirkungsvolle Lektion, die mir mein Fahrlehrer da erteilte. Sie wirkt bis heute nach.

An einem nebligen Morgen wie diesem heute denke ich oft an dieses Gespräch. Denn es ist mir unverständlich wie bei diesen Sichtverhältnisse tatsächlich unzählige FahrerInnen ohne Licht unterwegs sind! Und es macht mich jedes Mal so wütend.
Licht am Auto ist nicht nur dazu da, dass man selbst etwas sieht, sondern auch, dass man gesehen wird.

Warum mir dieses Thema regelmässig Puls macht, ist recht einfach:
Als ich mit dem Zwerg im 7. Monat schwanger war, hatten wir einen Autounfall, der nur passierte, weil unser Unfallgegner kein Licht anhatte.
Sicher, es war ein ziemlich dummer Wendeunfall, aber der Gatte wäre nicht gefahren, hätte er gewusst, dass da ein anderes Auto ist. Stattdessen tauchte an jenem trübdiesigen Januarmorgen der silbergraue Wagen aus dem Nichts auf.
Ich sah ihn Sekundenewigkeiten auf mich zu kommen, bevor er in die Beifahrerseite krachte, auf der ich sass.

Uns ist ’nichts‘ passiert, das geliebteste aller Autos war ein Totalschaden.

Also: Schaltet das Licht ein!
Das kostet nichts. Denkt daran, dass ihr auch gesehen werden sollt. Verlasst euch nicht auf irgendwelche Sensoren – gerade bei Nebel und Dämmerung! Stellt euch die Frage: Sehe ich die anderen gut – und wenn ja, warum?
Danke!

Übrigens, Standlicht heisst so, weil es STEHENDE Fahrzeuge beleuchten soll. Es ist nicht erlaubt, damit zu fahren. (https://de.wikipedia.org/wiki/Standlicht)

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Vollkorn-Buttermilchbrot

Dieses Brot ist wirklich einfach zu backen. Das komplizierteste ist daran zu denken, am Abend vorher die Vollkornmischung einzuweichen. Ist das erledigt, ist das wichtigste überhaupt noch ans Backen zu denken.

Zutaten:

  • 200 g 6-Kornmischung –> 450 g geweicht (von Alnatura bspw.)
  • 450 g Weizenmehl
  • 150 g Roggenmehl
  • 200 g Dinkelvollkornmehl
  • 200 g Maisgriess (Polenta)
  • 500 ml Buttermilch
  • 1 Würfel Hefe
  • Salz

Also – das erste ist die 6-Kornmischung, die nach Anleitung über Nacht eingeweicht und am nächsten Tag ca. 30 min gekocht wird. Während dessen kommt die Hefe in die nicht mehr kühlschrankkalte Buttermilch zum Auflösen.
Wenn Vollkornmischung nicht mehr heiss ist, kommt sie mit den verschiedenen Mehlen und dem Salz in eine Schüssel, dann folgt die Buttermilch.
Alle Zutaten gut verkneten und dann viel Zeit zum Gehen geben. Da ich meine Brote auch mal vergesse meinen Broten viel Zeit lasse, kann das auch mal eine Stunde sein. Dann noch einmal gründlich durchkneten und formen. Ich mache üblicherweise 2 Laibe, von denen ich einen einfriere.
Bevor die Brote in den vorgeheizten Ofen kommen, sollten sie noch einmal gute 30 min gehen.
Nach rund 45 min bei 175° ist alles vorbei und das Vollkornbrot fertig.

En guete!

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Bye Bye Chevy!

Es wird ernst.
Wir müssen uns verabschieden.

Du warst kein Auto, das ich geliebt habe. Trotzdem bin ich traurig.
Ziemlich genau 5 1/2 Jahre warst du bei uns, gerade hattest du deinen 10. Geburtstag.
Du bist ohne mein Zutun in diese Familie gekommen, denn ich hatte nach dem Unfall genug, worum ich mich kümmern musste. Eine Schwangerschaft, eine Hochzeit… Und der Verlust deines Vorgängers schmerzte. Sehr.

Ich konnte dich schwanger nicht fahren und so dauerte es 3 Monate, bis ich das erste Mal am Steuer sass. Da hatten wir gemeinsam schon über 1000 km abgerissen. Ich erinnere mich noch gut, weil es das erste Mal war, dass ich ohne mein Baby unterwegs war. Dass ich nach dem Unfall wieder Auto fuhr.
Du warst akzeptabel bequem, hattest einige Vorzüge, die ich zu schätzen lernte, aber du warst nicht dein Vorgänger. Den ich innig geliebt habe und sogar heute noch vermisse. Isso.

Nichtsdestotrotz werde ich dich vermissen. Wir haben deinen Kilometerstand verdoppelt, wahnsinnige Fahrten gemacht (wenn ich da an die Hochzeit vor genau 2 Jahren denke…); 1000 km an einem Wochenende waren keine Seltenheit.
Du warst ein zuverlässiger Lastenesel. Hast deinen Dienst beim Umzug getan.
Du hast mich schwanger durch die Gegend gerollt. Du hast unsere beiden Kinder aus dem Krankenhaus nach Hause gefahren.
In deiner Begleitung bin ich Ehefrau und Mutter geworden.

Ich verabschiede mich von dir als mehr als einem Auto. Ich verabschiede mich auch von einer Zeit, die so unglaublich viele Veränderungen brachte. Ich verabschiede mich von einem Stück meines mobilen Selbstbewussteseins. Dein Nachfolger wird in allem nur die Hälfte von dir sein. Meine dynamisch Fahrweise kann ich getrost einlagern.

Deinem Nachfolger sehe ich ohne Leidenschaft und wenig Vorfreude entgegen. Eigentlich hoffe ich nur, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.
Von daher – bye bye Chevy!

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Heimfahrt nach der Hochzeit Ich sass hinten quer, weil ich anders nicht mehr sitzen konnte.

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Dieser wundervolle Fleck ist mineralische Sonnencreme.

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Bye Chevy!

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