Meine dünne Haut

In den letzten Wochen und Monaten ist unglaublich viel passiert:
Ende Mai erreichte das Chaos seinen Höhenpunkt – der Zwerg verbrachte 2 Tage nach einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus, während im Büro die Vorbereitungen für den (unaufschiebbaren) grossen Projektstart in der Schweiz liefen. Ich verbrachte die Tage im Büro, 2 Nächte im Krankenhaus beim Zwerg. In die Schweiz bin ich nicht mehr gefahren.

Seit Anfang Juni ist das Projekt in seiner nächsten Phase; die Belastung ist gleichmässig, aber hoch. Von 9 bis 21 Uhr bin ich unterwegs…
Während der Druck steigt, wird meine Unsicherheit immer grösser, die Selbstzweifel immer stärker. Bin ich dem, was ich tue, gewachsen? Werde ich das die nächsten Monate aushalten? Ich ertappe mich immer häufiger dabei, die Tränen nur mühsam zurückzuhalten. Ich bin körperlich und emotionial völlig erschöpft.
Meine Gedanken bewegen sich in einem Hamsterrad, immer und immer wieder  gehe ich jedes Gespräch durch. Was habe ich gesagt? Was könnte falsch gewesen sein? Welche Konsequenzen könnte etwas Falsches oder Unangemessenes haben? Leider eskaliert mein Hirn solche Szenarien schnell zu den schlimmstmöglichen.

Vor 2 Tagen hatten sich meine Gedanken wieder an einer völlig normalen Situation festgefressen – einem Gespräch mit meinem Teamkollegen. Irgendwann fragte ich mich: Bin ich einfach nur sehr selbstkritisch oder unglaublich dumm?!

Heute Abend wurde mir dieser Blogartikel zur Hochsensibilität von Mama Miez in die Timeline retweetet. Und plötzlich war alles wieder klar! Ich kannte diesen Artikel!
Ich hatte ihn vor knapp 3 Monaten schon als Offenbarung empfunden – viel zu viele der beschriebenen Situationen habe ich selbst erlebt, viele Charaktereigenschaften beschreiben mich zu treffend. Ich habe auch den Test von zartbesaitet.net gemacht, mit 265 Punkten (neu 275 Punkte)… Offensichtlich bedeutet hochsensibel zu sein aber nicht auch, ein gutes Gedächtnis zu haben.
Das alles hatte ich völlig vergessen.

Dass der Zwerg hochsensibel ist, gehört nicht zu meinen Sorgen. Er scheint eher das Gegenteil sein, falls es sowas gibt. Er merkt meist selbst mit Ankündigung erst viel zu spät, dass die Stimmung gekippt ist.
Ich glaube auch nicht, dass der Gatte nachvollziehen kann, was in meinem Kopf so vorgeht. Wie soll er auch verstehen, dass ich Stunden, manchmal Tage brauche, um zu verarbeiten, was mich – neben einem akustisch und visuell forderden Job – an menschlichen Begegnungen verfolgt?
Die Tatsache, dass ich den Grund für meine stetige Selbstanalyse kenne, heisst nicht, dass ich sie abschalten kann. Es ist auch nicht wahrscheinlich, dass ich (innerhalb nützlicher Frist) die schlimmsten Belastungen reduzieren kann. Allerdings könnte jetzt die Suche nach Hilfe einfacher werden.

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